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Demenzfreundliche Gemeinden Ermatingen und Salenstein
Barabara Dössegger, Präsidentin des Seniorenrats Ermatingen-Salenstein, und René Künzli informierten über das Thema Demenz.
«Wir möchten die Bevölkerung für demenzfreundliche Gemeinden sensibilisieren und das Label ist nicht unbedingt unser Hauptziel», sagt Barbara Dössegger, Präsidentin des Seniorenrats Ermatingen-Salenstein, am Donnerstagabend im Vinorama bei der Begrüssung der 35 Teilnehmenden. Den Anlass bezeichnet sie als eigentliche Kickoff-Veranstaltung, für ein Thema, dass die Bevölkerung in den kommenden Jahren begleiten wird. Der Stifter und ehemalige Präsident der terzStiftung Berlingen, René Künzli hebt seinerseits hervor: «Sie haben ein schwieriges Thema gewählt, dass belastend ist für die Betroffenen wie auch für das nähere Umfeld.» Er weist darauf hin, was Demenz heisst: «Vom Geist verlassen» und stellte die Frage: «Wer sind wir, wenn wir nicht mehr denken, uns erinnern und sprechen können?»
Mögliche Anzeichen von Demenz
«Die Würde eines Menschen kann von keiner menschlichen Autorität verliehen oder entzogen werden», betont Künzli. Er stellt dar, dass Demenz der Überbegriff ist für viele Formen von Demenz und insbesondere Frauen davon betroffen sind, zumal sie gemäss Statistik älter werden als Männer. Als wichtigen Punkt hebt er klar hervor: «Für Demente sind soziale Kontakte und der Dialog immens wichtig.» Und welches sind mögliche Anzeichen für eine Demenzerkrankung? «Das Vergessen von Namen ist noch lange kein Hinweis auf eine Demenz und erst wenn sich mehrere Sachen kumulieren und Routinemässiges nicht mehr funktioniert, könnte es ein Anzeichen sein», sagt Künzli. Laut seinen Kenntnissen entwickelt sich eine Demenz vom leichten über das mittlere zum schweren Stadium.
Gefahr der Stigmatisation in der Gesellschaft
«Es gibt zurzeit keine Heilung, jedoch können Behandlungen die Symptome und den Prozess verlangsamen und die Lebensqualität verbessern», erklärt Künzli. Als Therapien nennt er Medikamente, Ergotherapie, Musiktherapie und Validation. Bei Verdacht auf Demenz ist eine möglichst rasche Abklärung sehr wichtig, denn je früher man es weiss, desto besser lässt es sich mit dem Umfeld besprechen. Zudem weist Künzli darauf hin, dass die Krankheit in der Gesellschaft leider oft stigmatisiert wird. Als wichtige Dinge, die es zu regeln gilt, nennt er das Testament, die Patientenverfügung, den Vorsorgeauftrag und alles, was mit dem Sterben und dem Tod zusammenhängt. Ratschläge gib er auch für den Umgang mit Dementen: «Es gilt ehrlich zu sein, nicht zu bewerten und zu berichtigen, sondern offene Fragen zu stellen gegenüber den Äusserungen von Dementen.» Zu kommunizieren gilt es auf Augenhöhe, gesprochen wird langsam und in kurzen Sätzen. Künzli warnt: «Angehörige dürfen sich selbst nicht vernachlässigen. Dazu bietet Alzheimer Thurgau Gesprächskreise für Angehörige an und zur Verfügung stehen auch ambulante und stationäre Entlastungsmöglichkeiten.»
Aus der Sicht der Enkelkinder
Für Enkelkinder ist es schwierig, wenn Grosseltern an Demenz erkranken und ein bisheriger Bezug zwischen den Generationen stört. Diesbezüglich weist Künzli hin auf die Geschichte «Anna mag Oma und Oma mag Äpfel», die Grosseltern und Kindern hilfreich sein könnte. Und wie zeichnet sich für ihn eine demenzfreundliche Gemeinde aus? «Sie ist eine Gemeinschaft, die verständnis- und würdevoll die Betreuung und die Integration von Menschen mit Demenz aktiv lebt», lautet seine deutliche Antwort. Während heute bereits digitale Hilfsmittel bekannt sind, kennt man deren starke Verbreitung noch nicht. Ein wichtiger Faktor ist erfahrungsgemäss die Musik und das Singen. Denn Musik ist und bleibt im Gedächtnis - ober krank oder gesund - und wichtig ist in diesem Bereich die soziale Teilhabe. Abschliessend weist Künzli hin auf einfache Hilfsmittel gegen das Vergessen, wie beispielsweise Post-it. Zum Schluss erwähnt er die kompetenten und vorbildlich organisierten Institutionen im Kanton Thurgau. Dazu gehören Alzheimer Thurgau, die sechs aufsuchenden Demenzberatungsstellen und die Spitex-Dienste. Aber auch das Rote Kreuz und die Tagesstätten wie beispielsweise Tapetenwechsel in Frauenfeld und Oase mit mehreren Standorten sind sehr hilfreich. Last but not least nicht zu vergessen: stationäre Einrichtungen für Entlastungsferien oder einen Daueraufenthalt.
Werner Lenzin
Barbara Dössegger und René Künzli