Direkt zum Inhalt springen

Accesskeys

Logo: Willkommen in Ermatingen

Fischerei

Aus der Geschichte der Fischerei

Wer heute durch den Dorfteil Staad, die alte Fischersiedlung, streift, muss die Spuren des einst bedeutenden und traditionsreichen Fischereigewerbes ziemlich mühsam zusammensuchen. Zwar findet man das Fisch-Emblem recht häufig, vom Schuhkratzer über die Fensterläden bis zur Windfahne, aber das ist eine neuere und bereits nostalgisch angehauchte Erscheinung. Bis vor etwa 50 Jahren gehörte zu dem Fischerhaus eine "Netzhänki" zum Trocknen und Ausbessern der zahlreichen Baumwoll- und Leinennetze, und wer auf eigenem Boden keinen Platz hatte, hängte sie an der grossen Netzhänki im "Horn" auf. Seit die Kunstfasernetze dominieren, gibt es dieses schöne Bild nicht mehr. Kunstfasern werden an der Sonne brüchig, und trocknen muss man sie auch nicht mehr.

Neben den weisslichen oder grünlichen Netzen hingen früher im "Horn" die ungleich schwerer gebauten, braunen Zuggarne, "Seginen" oder - auf der Reichenau - "Watten" geheissen. Ein Zuggarn wurde von vier Fischern gemeinsam in einem Kreis von vielleicht hundert Metern Durchmesser ausgeworfen und gleich wieder eingezogen. Dieser einst wohl wichtigsten Fischerei oblag man in Ermatingen bis 1963. Andernorts, z. B. auf der Reichenau, wo es früher etwa ein Dutzend "Watten" gab, war sie schon längst aufgegeben worden, hauptsächlich wegen der Seeverschmutzung, die das Reinigen der Garne zur ewigen Plackerei werden liess. Da mit den Zuggarnen oft auch zu junge Fische mitgefangen wurden, darf man ihrem Verschwinden nicht zu viele Tränen nachweinen.

 

 

Mit "Segi" bezeichnet man sowohl das Garn wie auch die Mannschaft und auch das Boot, einen schweren, schwarzen, flachbödigen Kahn. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg lagen deren etliche am Ermatinger Ufer. Der grösste, 15 Meter lang, gehörte der Gangfischsegi Genossenschaft, die ihr riesiges Zuggarn zwischen Mitte November und Weihnachten, zur Laichzeit des Gangfisches, auswarf. Diese etwas kleinere Felchenart, früher Brotfisch des Untersees, ist heute eine Rarität. Die aus 18 Fischern gebildete Genossenschaft hat sich schon vor zwei Generationen aufgelöst.
Die Ermatinger Netzfischer, deren Anzahl von vielleicht 40 auf zurzeit zehn gesunken ist, verwendet seit über hundert Jahren die leichte Holzgondel, die sitzend, mit dem Rücken zum Bug gerudert wird. Ein Ermatinger Bootsbauer soll sie "erfunden" haben, und die meisten wurden hier gebaut. Heute besteht sie aus Kunststoff, und die Fischer verwenden immer mehr einen neuen Typ Boot, identisch mit jenem, der sich am Obersee durchgesetzt hat.
Im Unterstaad, zwischen "Trischli" und "Seegarten" steht ein kleines, einräumiges Häuschen hart an oder eher schon in der Strasse, die gehorsam einen Bogen drum herum macht. Nicht selten steigen feine Rauchschwaden auf, nicht aus dem Kamin, sondern aus den Ritzen der Brettenverschalung im Giebel und zwischen den Ziegeln. Besorgte Spaziegänger machen einen etwa darauf aufmerksam, in der Meinung, es brenne. Es sind aber kontrollierte Felchen an vielen Stängelchen und erhalten in etwa zehn Stunden eine goldgelbe Tönung und ein Aroma ...!

"Früher" waren die gesalzenen und geräucherten Gangfische ein wichtiger Handelsartikel. In Ermatingen war der Fischhandel für Unter- und Obersee konzentriert; selbst deutsche Fischer lieferten, wenigstens in Friedenszeiten, ihren Fang ab, und auch Fische aus anderen Schweizer Seen bis in die Westschweiz gelangten vor allem über die Fischgrosshandlung der Gebrüder Läubli bis nach Frankreich und Oberitalien.
Während die Fischrestaurants allesamt an der Strasse liegen und ohnehin in der halben Schweiz und am deutschen Ufer bekannt sind, muss man die Fischbrutanstalt, 1887 gegründet, in einem Hinterhof suchen. Sie gehört dem Kanton und ist im Frühjahr, wenn die Bassins voller Brütlinge sind, für Gruppen auf Anmeldung bei den Fischaufsehern zugänglich.
Wer sich für die Geschichte der Fischerei des Unter- und Obersees interessiert, kann in dem 1993 eröffneten Seemuseum in der Kornschütte Kreuzlingen auf Entdeckungsreise gehen. Das Museum ist jeden Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet, von April bis Oktober auch mittwochs und samstags von 14 bis 17 Uhr. Angemeldete Gruppen sind jederzeit willkommen. Nähere Auskünfte über Tel. 0041 (0)71 688 52 42.
Der grösste Teil der im Seemuseum ausgestellten alten Gerätschaften und Objekte der Fischerei gehören dem Verein für ein Bodensee-Fischereimuseum in Ermatingen. Neue Mitglieder sind herzlich willkommen. Auskunft erteilt Tel. 071 664 23 64.